Die Musik in Geschichte und Gegenwart über Helmut Vogel

Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume
Zweite, neubearbeitete Ausgabe herausgegebwen von Ludwig Finscher

Personenteil 17    Vin-Z

erschienen im BÄRENREITER VERLAG

 

Vogel, Helmut

* 4. Febr. 1925 in Aachen, + 3. Okt. 1999 in Heidelberg, Komponist, Pianist und Pädagoge. Vogel wuchs in Mannheim auf (Abitur 1943) und studierte von 1940 bis 1949 an der Musikhochschule Mannheim und am Heidelberger Kons. Klavier, Violoncello und Komposition. Unterbrochen wurde das Studium durch Militärdienst und amerikanische Kriegsgefangenschaft. Vogel begann 1948 eine internationale Karierre als Pianist, gab das Konzertieren jedoch zugunsten der Komposition wieder auf. Kompositionen sind ab 1942 erhalten. An der Musikhochschule Mannheim wurde ihm 1951 die Leitung einer Klavierklasse übertragen (Ernennung zum Prof. 1971). Seine pädagogische Arbeit (bis 1994) fand auch kompositorisch ihren Niederschlag. Als erster deutscher Musiker erhielt Vogel 1966 in Washington (D.C.) den Fulbright Award. Im selben Jahr wurde er als Gastprof. an die kalifornische San José State Univ. berufen. In den USA beschäftigte er sich intensiv mit afro-amerikanischen Musikidiomen und mit den Möglichkeiten der Jazz-Komposition. Ab 1978 hatte er seinen zweiten Wohnsitz in Paris, wo ihn die französische Kulturszenerie zu zahlreichen Werken anregte. Vogel war Ehrenmitglied der Association Internationale des Arts, des Métiers d'Art et de la Culture, Paris.

 

Werke  (Auswahl; ersch. im Selbstverlag in Mannheim, bei Feja in Berlin, Leduc in Paris u.a.; hs. Nachlaß im Besitz der Akademia Helmut Vogel e.V., Mannheim; Werkverz. in Vorb., s. auch Homepage des Komponisten)

 

A. Vokalmusik

Lieder für Singst. und Kl. (1942-1960) <> Chansons und Balladen (1977-1998) <> Mysterium fidei, Or. über den Leidensweg Christi für T, Kn- und gemCh., Orgel und Orch. (1989) <> Die letzten Worte Jesu, 9 Chorsätze für 4st. Kinderchor und Orgel (1996) <> Gloria, Messe für gemCh. und Orgel (1999)

 

B. Bühnenwerke  (Oper, Musical, Sketche, Ballette)

4 Ballette (1960-1975) <> Sarah - "quand-même", Chanson-Oper über Sarah Bernhardt (1994-1999), unvollendet

 

C. Instrumentalmusik

I. Orchesterwerke  Konz. für V. und KaOrch. (1953) <> Concerto grosso für Hr., Trp., Pos. und Orch. (1965) <> Sinfonietta für StrOrch. (1975) <> Rhapsodia iberica für StrOrch. und Schlgz. (1980) <> In omnibus veritas für großes symph. Blasorch. mit Pk., Schlgz., Kontrabässen und Harfen (1982) <> Traffic, Jazz-Rock-Classical für gr.Orch. (1985)

 

II. Kammermusik  zahlr. Kompos. für unterschiedl. Besetzungen (1942-1997), darunter: 2 StrQu. (1949, 1950) <> Son. für V. und Kl. (1951, rev. 1973) <> Six Pièces für Fl. und Kl. (1951) <> Ballistik für 10 Hände, Suite für 2 Kl. und Schlgz. (1964) <> Quintegral, 5 Var. über ein Jazz-Thema für Fl., Klar., Fg., Pos. und Schlgz. (1968) <> Divertimento für Fl., Vc. und Hf. (1971) <> Dialoge für 2 V. (1973) <> Harfentrio für V., Va. und Hf. (1975) <> Vier Aphorismen für Cemb., Kl. und einen Saaldiener (1976) <> Dithyrambos und Ostinato für V. und Orgel (1977) <> Triptychon, Nonett für Bläser und Str. (1981) <> Theseus für Schlagzeug-Sextett (1984) <> Quatre Caractères, 4 Temperamente für Saxophonqu. (1989) <> Trio für Fl., Gambe und Cemb. (1992) <> Trio für Fl., Ob. und Cemb. (1995) <> Trois Pas de deux für Fl. und Kl./Cemb. (1997)

 

III. Klaviermusik und andere Soloformen  zahlr. Klavierkompos. (1949-1992), darunter: Son. (1949); Impressionen von der Basler Fasnacht, 6 Stücke für Kl. zu 4 Hdn. (1953); Emotionen, 4 Konzertstücke (1957); Mozartina, Reflexionen über Mozart für 2 Kl. (1977); Prisma, 11 Klavierstücke (1981); Freinsheimer Klavierbüchlein, 12 Klavierstücke (1986); Acht Novelletten (1986-1992); Europa ’92, 46 Klavierstücke (1991) (darin die Nationalhymnen der 12 EG-Gründerstaaten) <> Two Pieces for Harp über ein amer. Vld. (1966) <> Désir für Ob. (1984) <> 3 Orgelkompos. (1989) <> Zwei Dialoge für Fg. (1997)

 

Das kompositorische Gesamtwerk ist breit gefächert und facettenreich. Nie hat Vogel sich dogmatisch einer bestimmten Richtung verschrieben; statt dessen plädierte er für Vielfalt und Toleranz und für strenge, auf humanistischen Fundamenten gegründete Wertmaßstäbe. Seine ästhetischen Prämissen verschränken sich auf unorthodoxe Weise mit der Ideenwelt des französischen Neoklassizismus. Vogels Komponieren schöpft aus den Traditionen der europäischen Musikgeschichte und bewegt sich ebenso selbstverständlich in den Grenzbereichen von E- und U-Musik. Ein ausgeprägter, gleichsam impressionistischer Klangfarbensinn kennzeichnet schon früh seine Partituren. Die Orientierung an der Dur-Moll-Tonalität hat er nie aufgegeben. Dennoch nutzte er vorübergehend reihentechnische Verfahren und arbeitete in seinen letzten Lebensjahren auch mit elektronischen Klangerzeugern.

 

Jürgen Hunkemöller

 

 

 » MGG